Vorteile, Nachteile, Vergleich mit Benziner, Diesel, Hybrid und Elektroauto

Wer beim Tanken Geld sparen möchte und darüber hinaus noch umweltfreundlich unterwegs sein will, ist mit einem Erdgasfahrzeug gut beraten. Erdgasautos gibt es von vielen Herstellern. Neu auf dem Markt sind sie nicht, trotzdem ist die Skepsis hinsichtlich Reichweite und Kostenaufwand groß.

Nicht jedes Gasauto ist übrigens ein Erdgasfahrzeug. Es muss zwischen LPG- und CNG-Gas unterschieden werden. Der Klassiker ist das Flüssiggas.

Das sogenannte Liquefied Petroleum Gas, kurz LPG, gibt es an vielen Tankstellen und überzeugt so mit einer flächendeckenden Versorgung. Noch jung sind Modelle mit Compressed Natural Gas.

Obwohl die Erdgasfahrzeuge gerade beim Tanken deutliche Preisvorteile versprechen, haben sie sich gegenüber Benzin- und Dieselmotoren noch nicht als wirkliche Alternative etabliert.

In Deutschland gibt es nach Angaben des KBA mit Stand zum 1. Januar 2019 insgesamt 64,8 Mio. Fahrzeuge. Nach Kraftstoffarten ergibt sich folgende Zusammensetzung:

  • Benzin: 30,45 Mio.
  • Diesel: 15,22 Mio.
  • Flüssiggas (LPG): 421.283
  • Erdgas (CNG): 75.459
  • Elektro: 53.861
  • Hybrid: 236.710

(Quelle)

Wie hoch sind die Anschaffungskosten?

Mit einem Erdgasauto bares Geld sparen
Mit einem Erdgasauto bares Geld sparen

Wer mit einem Erdgasfahrzeug liebäugelt, wird oft schon beim Kauf abgeschreckt. Die Autos mit dem umweltfreundlichen Antrieb sind in der Anschaffung alles andere als ein Schnäppchen.

Auch wenn Sie bisher einen Benziner gefahren haben und sich nun für die Umrüstung auf Erdgas entscheiden, müssen Sie in der Regel tief in die Tasche greifen. Die Hersteller rechtfertigen die höheren Kosten übrigens mit den günstigeren Erdgaspreisen an den Tankstellen.

Trotzdem muss ein Erdgasfahrzeug einige Jahre gefahren werden, bis sich die Investitionskosten amortisiert haben. Doch woher kommt eigentlich der Preisvorteil an der Tankstelle?

Der Erdgasantrieb hat nicht nur Vorzüge, sondern auch die einen oder anderen Tücken. Autogas, kurz LPG, ist aufgrund der jahrelangen Präsenz weit verbreitet und steht bundesweit an etwa 7000 Tankstellen zur Verfügung.

Wer dagegen mit Erdgas fährt, muss seine Tankstopps ein wenig genauer planen. Hierfür gibt es nämlich nur Zapfsäulen an rund 900 Tankstellen.

Viele Erdgasfahrzeuge sind deswegen noch mit einem Diesel- oder Benzinmotor ausgestattet, auf den im Bedarfsfall einfach gewechselt werden kann. 

Wie umfassend ist die Reichweite?

Die Reichweite ist ein entscheidender Faktor

Aufgrund der geringen Kosten stellt sich natürlich die Frage, wie die Reichweite bei den Erdgasfahrzeugen ausfällt und ob hier klassische Antriebe wie Diesel und Benzin die Nase vorn haben.

Grundsätzlich gelten Erdgasfahrzeuge als umweltfreundlich. Hier liegt der CO2-Ausstoß je verbrauchten Liter bei nur 2,79 kg. Doch der Schein trügt. Moderne Diesel- und Benzinmotoren bewegen sich hier auf einem ähnlichen Niveau.

Dieselmotoren haben sogar einen geringeren CO2-Ausstoß. Geht es also um die Umweltfreundlichkeit, müsste der Griff schon zu Autogas gehen. Hier werden je Liter nur 1,64 kg CO2 ausgestoßen. 

Die Reichweite ist gerade bei Erdgas angesichts des geringen Tankstellenangebots wichtig. In den letzten Jahren haben sich natürlich auch bei diesem Kraftstoff die Preise angepasst.

Mit einem finanziellen Einsatz von 10 Euro kann man mit einem Erdgasfahrzeug mehr als 200 km zurückgelegen (Quelle).

An diesem Punkt können weder Autogas noch Diesel- oder Benzinmotor mithalten. Die Reichweite und die geringere Kraftstoffpreise tragen dazu bei, dass der höhere CO2-Ausstoß im Grunde wieder relativiert wird. 

Die Autobauer Audi und Volkswagen haben sich schon recht früh auf die Erdgasfahrzeuge eingeschossen. Dagegen verbauen Opel und Fiat vorwiegend LPG. 

Zusammengefasst bieten die Erdgasfahrzeuge also folgende Vorteile: 

  • günstige Kraftstoffpreise, Befreiung von der Mineralölsteuer
  • hohe Reichweite
  • geringe Betriebskosten
  • akzeptabler CO2-Ausstoß

Doch es gibt auch einige Nachteile, die die Entscheidung für oder gegen ein solches Fahrzeug beeinflussen: 

  • hohe Anschaffungskosten bzw. hohe Umbaukosten
  • dünnes Tankstellennetz von rund 900 Tankstellen

Ob sich ein Erdgasfahrzeug für den einzelnen lohnt, muss individuell betrachtet und entschieden werden. Für Vielfahrer kann sich ein solches Fahrzeug lohnen – allerdings nur dann, wenn Sie vorwiegend in einer Region mit passendem Tankstellenangebot unterwegs sind.

Ohne weiteren Tank geht es nicht

Ein Tank ist weiterhin notwendig

An sich sprechen die Eckdaten der Erdgasfahrzeuge sicherlich für eine Investition in diese Antriebsform, zumal sie noch deutlich preiswerter sind als die E-Autos, die bekanntlich ebenso noch mit ihrer Reichweite kämpfen. Doch die Reichweite bleibt bei den Erdgasautos ein Problem.

Obwohl die Hersteller auch hier nicht die Weiterentwicklung der Technik scheuen, ist es bislang noch nicht gelungen, die Gesamtreichweite auf ein Niveau anzupassen, dass im Alltag benötigt wird. Die meisten Fahrzeuge werden hier noch immer bei 400 bis 600 Kilometern in die Knie gezwungen. Unter Berücksichtigung des überschaubaren Tankstellennetzes ist hier also zwingend ein weiterer Tank erforderlich.

Es gibt kaum ein Erdgasfahrzeug, das auf einen alternativen Benzinbetrieb verzichtet. Durch die Kombination von Erdgas und Benzin schaffen die Autos dann aber durchaus mehr als 1000 Kilometer. 

Wie sicher sind Gasautos?

Leider ist der Ruf der Gasautos oft schlechter als sie es verdient haben. Grundsätzlich steht hier vor allem über der Sicherheit ein großes Fragezeichen. Dabei muss klar betont werden: Gasautos gelten als weitgehend sicher. Sie sind nicht wesentlich gefährlicher als Modelle mit Diesel oder Benzin.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über explodierte Gasautos. Solche Fälle hat es nach Verbandsangaben auch tatsächlich gegeben. Sie sind aber eher selten. Die Ursachen sind hier verschieden.

Eine Gefahr stellt bei diesem Antrieb prinzipiell Rost dar. Aber auch Ablagerungen, die sich in den Ventilen festigen, können die Explosion eines Gastanks nach sich ziehen. 

Alternativen zum Erdgasauto

Elektroauto

Mit dem richtigen Gasauto sind Sie übrigens noch umweltfreundlicher unterwegs als mit einem Elektroauto (Quelle). Sobald das Gas, das Sie tanken, zu 100 Prozent synthetisch hergestellt wurde, fahren Sie CO2-neutral.

Hier kann ein Elektroauto angesichts des Strommix nicht mithalten. In den Strommix fließen auch fossile Brennstoffe ein, die die CO2-Bilanz eher negativ beeinträchtigen.

Wasserstoffauto

Und auch bei Wasserstoffautos gilt, dass diese nur umweltschonend sind, wenn die Energie aus erneuerbaren Quellen stammt. Auch ist hier der Nachteil, dass es bisher kaum Wasserstofftankstellen gibt (etwa 60) und ein Wasserstoffauto sehr teuer in der Anschaffung ist (Quelle).

Elektrokleinstfahrzeuge

Seit dem 15. Juni 2019 dürfen in Deutschland auch Elektro-Tretroller (E-Scooter) gefahren werden. Es handelt sich dabei um sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge, die auch als Kraftfahrzeug gelten. Diese können eine echte Alternative zum Auto sein, gerade für kleinere Strecken sind diese ideal. Sie sind sehr energieeffizient und kleinere Strecken von einigen Kilometern lassen sich damit sehr gut zurücklegen (Quelle).

Fazit zum Erdgasauto

Eines darf bei der Kaufentscheidung nicht außen vorbleiben. Hierbei handelt es sich um Wartung und Inspektion. Gasautos müssen teils häufiger zur Inspektion gebracht werden. Dadurch steigen natürlich auch die Wartungskosten erheblich an.

Wartungen, die bei diesen Fahrzeugen durchgeführt werden müssen, erfolgen teilweise in Verbindung mit der HU. So wird bei der Hauptuntersuchung eine Gasanlagenprüfung vorgenommen.

Die sogenannte GAP nimmt die Gasanlage genauestens unter die Lupe. Weiterhin haben die Erdgasdruckbehälter eine begrenzte Lebensdauer. Sie liegt allerdings bei 20 Jahren und dürfte damit für die meisten Autofahrer bzw. Fahrzeughalter nicht relevant sein. 

Quellenangaben